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Ein Leben als Ordensmann – Thilo Saft hat sich für diesen Weg entschieden. Hier beschreibt er, wie er zur »Gesellschaft Mariens« fand und sich der Werdegang zum Maristen vollzieht.


Wie die meisten jungen Leute bei uns im Dorf war auch ich in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit aktiv. Zunächst als Ministrant, später dann als Gruppenleiter und Mitorganisator von Jugendmessen, Zeltlagern und Jugendfahrten. Mittendrin statt nur dabei. Es hat mir richtig Spaß gemacht, mich zu engagieren. Das ist auch unserem Kaplan aufgefallen, und als er mich einmal fragte, ob ich mir vorstellen könne, Priester zu werden, reagierte ich noch ganz abweisend.

Gib dem Evangelium (d)ein Gesicht

Schließlich rückte die Zeit des Abiturs näher. Jetzt kam sie wieder auf, die Frage nach Theologiestudium und Priester-sein. Dieselbe Frage also, die unser Kaplan sechs Jahre zu früh gestellt hatte – mit dem Unterschied, dass ich sie mir jetzt selbst stellte. Und dieses Mal wollte ich nicht ausweichen.


Thilo Saft
aus Ankum (Landkreis Osnabrück) hat in Passau Philosophie und am Heythrop College in London Theologie studiert. Das Noviziat führte ihn zwischen-
zeitlich nach Davao auf die Philippinen.
Am 12. September 2013 legte er in Meppen die Ewige Profess ab – das Versprechen, sich dauerhaft an den Maristenorden zu binden. Die Feier fand in der Kapelle der Kommunität statt und wurde vom Provinzial der europäischen Maristen, Hubert Bonnet-Eymard, geleitet: Ein besonderer Tag für die Maristenpatres und -brüder in Deutschland.
Im Zuge seiner Ausbildung konnte Thilo Saft bereits Erfahrungen in der Gemeindearbeit und der Kranken-
hausseelsorge sammeln. Nach dem Diakonats-
praktikum in Hamburg wird er voraussichtlich 2014 zum Priester geweiht. Zudem ist angedacht, dass er an einem Ausbildungskurs für Krankenhaus- und Gefängnisseelsorger in Dublin teilnimmt. So wird
sein weiterer Weg ein gemeinsamer Weg mit vielen Menschen sein, in denen ihm Gott begegnet.


Ein Satz auf einem Flyer unserer Diözese blieb mir im Gedächtnis: »Gib dem Evangelium (d)ein Gesicht«. Am Beginn meines Weges stand auch die Überlegung, ob ich mich einem Orden anschließen sollte. Ich antwortete, wie es wohl meiner Natur entspricht, mit einem zögernd zupackenden »Ja, aber ...«. Ich war offen und bereit, das Ordensleben auszuprobieren, aber ich kannte nur die großen Orden und hatte das Gefühl, das ist nicht, was ich suche.

In dieser Situation erfuhr ich, dass es in Ahmsen, einer kleinen Gemeinde im Emsland, ein Begegnungshaus für Besinnungstage, Jungendwochenenden und Exerzitien gebe. Und dieses Haus würde von der Ordensgemeinschaft der Maristen geleitet, die sich unter anderem auch der Ausbildung junger Menschen an Schulen widme. »Na, toll«, dachte ich etwas zerknirscht, »Schule!« – hatte ich doch gerade meine Karriere als Lehrkraft an einer staatlichen Schule erfolgreich abgebrochen. Sollte ich jetzt einem Schulorden beitreten? Aber sei’s drum. Langsam begann ich zu begreifen, dass es nicht allein darum geht, was ich suche, sondern vielmehr darum, was Gott mir ermutigend zutraut. Also steckte ich den Zettel mit der Telefonnummer eines der Patres ein.



Wer seine Lebensberufung prüfen will, ob der maristische Weg sein Weg sein könnte, ist herzlich eingeladen, mit uns Kontakt aufzunehmen. Im Haus Passau gibt es die Möglichkeit, für einige Zeit mitzuleben und im Gespräch Klarheit zu suchen.

Internationale Erfahrungen gehören in der Ausbildung dazu, darum sind Englisch-Kenntnisse wichtig. Für den Brüderberuf ist eine abgeschlossene Berufsausbildung hilfreich. Für den Weg zum Priestertum in unserer Ordensgemeinschaft (Voraussetzung: Abitur) ergeben sich drei Stufen, als Jünger das eigene geistliche Leben in Begleitung zu vertiefen.

Die erste Phase vermittelt Kenntnis des Ordenslebens, pastorale Erfahrung und Studien in Europa.

In einer zweiten Phase geht es in das englischsprachige Noviziat, ein Jahr, derzeit in Davao (Philippinen). Dem folgt das Theologiestudium in Europa.

Nach dem Noviziat werden die ersten Gelübde – Gehorsam, Armut, ehelose Keuschheit – auf Zeit abgelegt. Die Gelübde werden erneuert bis zu der Entscheidung, ganz zu bleiben, oder einen anderen Weg zu gehen.

Maristen machen sich den Menschen und der Kirche verfügbar wie Maria.



»Kloster auf Zeit«

Am nächsten Tag wählte ich die notierte Nummer, und nach kurzem Läuten hörte ich die blecherne Stimme eines Anrufbeantworters: »Guten Tag, dies ist der Anschluss von Pater Greiler. Leider bin ich zurzeit nicht persönlich erreichbar.« Ich wartete auf den berühmten Piepton – und legte auf. Ein paar Minuten später wählte ich die Nummer erneut, und diesmal hinterließ ich eine Nachricht.

Pater Greiler und ich trafen uns und vereinbarten schließlich, dass ich für eine Weile in der Kommunität in Ahmsen leben würde. Das sei der geeignetste Weg, um herauszufinden, ob man den Kontakt mit der Ordensgemeinschaft halten oder sogar vertiefen möchte. Ich war froh, bei meiner Entscheidungsfindung bis hierher gekommen zu sein und hatte ein gutes Gefühl. Bereits während meines Aufenthalts und später bei regelmäßigen Besuchen erfuhr ich Wesentliches über das Leben, Arbeiten und Wirken der Maristen. Besonders haben mich ihre herzlich-aufmerksame Toleranz und die angenehm zurückhaltende, unaufdringliche Art angesprochen, mit der sie den verschiedenen Besuchern, Gästen und Angestellten des Hauses und auch mir entgegentraten.


Die Laienmaristen: Boten des Evangeliums.


Mir wurde auch schnell klar, dass Schule zwar einen sehr wichtigen Bereich maristischer Aktivität ausmacht, aber längst nicht das einzige Wirkungsfeld ist. Im Laufe der folgenden Monate besuchte ich die anderen Häuser der Maristen in Deutschland und fand überall die gleiche ansprechende Grundatmosphäre wieder. Ich lernte auch die verschiedenen Zweige der Maristenfamilie kennen.

Gott und den Menschen begegnen

Nun tat ich den nächsten Schritt. Ich schrieb an den Pater Provinzial mit der Bitte, mich als Kandidaten für die »Gesellschaft Mariens« in Betracht zu ziehen. Als dann die Rückantwort aus Passau kam, war ich erleichtert und froh darüber, dass ich angenommen wurde. In meinem Fall hieß das, den Job zu kündigen, die Wohnung aufzulösen und das Studium der Philosophie und Theologie in Passau zu beginnen.

Während der folgenden zweieinhalb Jahre habe ich viel Zuspruch und die Unterstützung der Mitbrüder, meiner Freunde und Familie erfahren. Und noch etwas hat mir sehr geholfen: Ich lernte die Geschichte der Maristen kennen. Von der Persönlichkeit des Gründers, Pater Colin, war ich am meisten beeindruckt. Ein nicht überdurchschnittlich begabter, eher scheuer und zurückhaltender junger Mann vom Lande, aber mit gesundem Gottvertrauen, der in einer Gruppe Gleichgesinnter jedes Mal dann über sich hinauszuwachsen schien, wenn es galt, den Maristenorden voranzubringen. Das gab mir Zuversicht und Motivation, weiterzumachen.


Die Laienmaristen: Boten des Evangeliums.

Noviziat auf den Philippinen

Nach dem Vordiplom begann für mich das Noviziat im englisch- sprachigen Ausland – nicht in Australien oder Neuseeland, wie ich insgeheim gehofft hatte, sondern auf den Philippinen.

Was soll ich sagen? Es war eine große Herausforderung, aber gleichzeitig auch eine für meinen weiteren Weg sehr bereichernde, prägende Zeit.

Thilo Saft SM




Maristenpatres und -brüder
Europäische Provinz der Gesellschaft Mariens
Region Deutschland





Hintergrundbild: Pfingstfresco, La Neylière